Geständnisse der Ehefrauen von Nazi-Verbrechern

„Ich habe bis heute keine Zweifel daran, dass die Ehefrauen von den verbrecherischen Taten ihrer Männer wussten“. Tatjana Stupnikowa, „Nichts als die Wahrheit. Nürnberger Prozesse. Erinnerungen einer Dolmetscherin“.

Sie wussten sicher darüber Bescheid. Wie verhielten sie sich zu ihrer „Arbeit“ und den Ansichten? Unterschiedlich. Auf der einen Seite gibt es zum Beispiel Margaretha Ley. Die zweite Frau von Robert Ley, Leiter des Einheitsverbands Deutsche Arbeitsfront , war eine bekennende Antifaschistin und floh bereits 1938 zusammen mit ihren Kindern von ihrem Mann. Auf der anderen Seite wurden viele Ehefrauen Mitstreiterinnen ihrer Männer, von Nazi-Verbrechern – Magda Goebbels, Margarete Heß, Anneliese von Ribbentrop.

Anneliese von Ribbentrop wurde sogar nicht bestraft und hat auch ihr riesiges Vermögen behalten – als Mitglied einer Familie der Henkel-Magnaten. Und das im Unterschied zur absolut unpolitischen Emmy Göring, die verurteilt und deren Vermögen beschlagnahmt wurde, und die ihr restliches Leben unter ziemlich bescheidenen  Umständen führte.

Nicht nur Frau Göring musste ein Lager erleben. Im Frühjahr und Sommer 1945 wurden Familienmitglieder vieler bekannter Vertreter des Dritten Reichs durch den US-Geheimdienst festgenommen. Frauen wurden in ein Gefängnis-Lager geschickt, Kinder in Heime. Später wurden die Kinder von Verwandten bzw. ihren Müttern abgeholt. Die einzige Grundlage für die Inhaftierung war die Verwandtschaft mit den Nazi-Verbrechern. Hans Frank schrieb in einem Brief an US-Richter Francis Biddle über seine festgenommene Schwester, die „niemals politisch aktiv war und nicht einmal Mitglied der NSDAP war“, sie befasste sich vor allem damit, dass sie sich um ihre alte Mutter kümmerte.

Als der Kommandant des Nürnberger Gefängnisses, Oberst Burton Andrews, über die Aktionen der Geheimdienstoffiziere erfuhr, wurde er wütend. Er stellte ein hartes Regime für die Häftlinge auf, er konnte kaum einer Loyalität gegenüber Nazis verdächtigt werden. Er schickte einen schriftlichen Protest direkt in den Stab des Obersten Armeekommandos der USA in Deutschland und forderte unverzüglich, die Frauen und Kinder freizulassen. Andrews ging nach praktischen Gesichtspunkten vor:

„Sonst würden von der Verteidigung dem Gericht solche Zeugenaussagen vorgelegt, dass sich auf der Anklagebank die Amerikaner selbst erweisen müssen“.

Der Protest war erfolgreich, die Familien wurden freigelassen.

Diese Frauen hatten noch etwas gemeinsam – Adolf Hitler. Hitler sei der Mittelpunkt ihres Lebens gewesen, schrieb Henriette von Schirach in ihren Erinnerungen. Sie waren ständig vor seinen Augen. Hitler machte seine Mithelfer mit Frauen bekannt, war Taufvater ihrer Kinder.

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Magda Goebbels verbrachte mit dem Führer mehr Zeit als mit dem eigenen Gatten. Als Rudolf Heß 1941 nach Schottland flog, was wie ein Verrat aussah, kümmerte sich Hitler weiter um dessen Frau. Er heiratete bis kurz vor seinem Tod nicht, seine Gefährtin Eva Braun hatte den Status seiner Liebhaberin. Doch das Dritte Reich brauchte eine First Lady. Er förderte einen „Wettkampf“ um diese Rolle zwischen Emmy Göring und Magda Goebbels.

Um es dem Führer angenehm zu machen, heirateten einige seiner Vertrauten die arischen Frauen – hochgewachsene Blondinen mit blauen Augen – nur wegen ihres Äußeren. Allerdings erwiesen sich fast alle von ihnen als vorbildliche Ehefrauen. Einige waren bis zu ihrem Tod den seit langem erhängten Mördern treu, hüteten ihre Ideologie und wurden sogar Ikonen des Neonazismus.

 

Quellen

Richard W. Sonnenfeldt. „Witness to Nuremberg“.

Gustave Gilbert „Nürnberger Tagebuch“

David Irving „Nürnberg. Die letzte Schlacht“

Tatjana Stupnikowa „Nichts als die Wahrheit. Nürnberger Prozesse. Erinnerungen einer Dolmetscherin“

 

Julia Ignatjewa