Am 17. Oktober 1946 bekam Josef Stalin die russische Übersetzung des streng geheimen Dokuments „Strategische Lage des britischen Imperiums“. Die geheimen Angaben aus London, die als absolut hochvertraulich galten, wurden mehrmals der sowjetischen Führung durch die Cambridge Five – sowjetischer Agentenring in Großbritannien, der in den 1930er-Jahren vom Agenten Arnold Deutsch an der Cambridge University angeworben worden war - übermittelt.
Cambridge Five war eine symbolische Bezeichnung. Aus einer großen Zahl von Agenten in Großbritannien wählte der sowjetische Geheimdienstoffizier Juri Modin fünf zuverlässige Personen – Kim Philby, Donald Maclean, Anthony Blunt, Guy Burgess und John Cairncross. Der sowjetische Geheimdienst stellte mit Erstaunen fest, dass britische Agenten und Staatsbeamte aus elitären Kreisen gewillt waren, geheime Informationen an die Sowjetunion zu übergeben. John Cairncross hielt seine Arbeit für die Sowjetunion nicht für Verrat und dachte, dass eine Gruppe rechter Politiker in London vom Verbündeten die für den Sieg gegen Hitler-Deutschland notwendigen Informationen verheimlicht. Anschließend strebte er eine atomare Parität zwischen Ost und West an.
Die Informationen der Cambridge Five halfen der Sowjetunion, rechtzeitig mit der Arbeit am Atomprojekt 1941 zu beginnen und sich auf die entscheidende Schlacht am Kursker Bogen 1943 vorzubereiten. 1947 übergab die Cambridge Five an die Sowjetunion das komplette Dokumentenpaket über die Schaffung der Nato – Schema der Finanzierung, Zusammensetzung u.a.
Alle fünf Agenten bekleideten hohe Posten im britischen Geheimdienst bzw. diplomatischen Strukturen. Später wurden Philby, Maclean und Burgess an die Sowjetunion ausgeliefert, Cairncross zog nach seinem Rücktritt aus dem zivilen Dienst nach Chicago um. Erst 1979 wurde er entlarvt, ein Jahr verbrachte er in einem Gefängnis in Rom. Blunt blieb in Großbritannien und wurde strafrechtlich nicht verfolgt. CIA-Chef Allen Dulles nannte die Cambridge Five den einflussreichsten Agentenring aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
Quelle: John Fischer. Burgess und Maclean. M.: Progress, 1979