Am 5. Oktober 1946 bezeichnete der republikanische Senator Robert A. Taft in einer Erklärung den Nürnberger Prozess als „Willkür gegen die Justiz“. Ihm zufolge waren die Urteile des Internationalen Militärgerichtshofs ausgehend von der rückwirkenden Kraft der Gesetze erlassen worden, wobei die Kriegsführung nicht als persönliches Verbrechen betrachtet werden darf. „Bei diesem Gerichtsprozess akzeptierten wir die sowjetischen Vorstellungen, dass dieses Gericht den politischen Interessen des Staates und nicht der Justiz dient – ohne Berücksichtigung des angelsächsischen Erbes. Indem die politische Agenda in Form von Gerichtsverfahren gestaltet wird, wird die Idee der Justiz in Europa für viele Jahre diskreditiert“.

Robert A. Taft, der Sohn des 27. US-Präsidenten William Howard Taft, war einer der Anführer der inoffiziellen konservativen Koalition. In der Außenpolitik war er bis zum Angriff auf Pearl Harbor ein Befürworter des Isolationismus, nach dem Zweiten Weltkrieg war er gegen die Beteiligung der USA an internationalen Organisationen, darunter die Nato. In seinen Beurteilungen war er nicht allein im politischen Establishment der USA. Howard W. Smith, Kongress-Mitglied aus dem Bundesstaat Wisconsin, sagte: „Der Nürnberger Prozess widerspricht so sehr den anglosächsischen Prinzipien der Justiz, dass wir uns für diese Seite unserer Geschichte ewig schämen müssen. Der Nürnberger Prozess verkörperte eine Politik des Revanchismus im schlechtesten Sinne.” Smith war auch wegen seiner eher laxen Haltungen zu Menschenrechten und seines offenen Rassismus bekannt: „Die Bewohner des Südens werden die Farbigen als menschliche Rasse, die gleiche Intelligenz, Bildung und gesellschaftliche Fähigkeiten wie die Weißen im Süden haben, nie akzeptieren“. John E. Rankin, Kongress-Mitglied aus dem Bundesstaat Mississippi, sagte: „Als Vertreter des US-Volkes will ich sagen, dass das, was in Nürnberg vor sich geht, eine Schande für die Vereinigten Staates ist. Eine Rassen-Minderheit erhängt zweieinhalb Jahre nach dem Kriegsende in Nürnberg deutsche Soldaten, richtet über deutsche Unternehmer im Namen der Vereinigten Staaten“.

Für die Nazis machten sich offene Rassisten und Antisemiten, die unabhängig von der Parteizugehörigkeit reaktionäre Ansichten hatten und in der US-Politik angesehene Positionen hatten, stark.

 

Quelle: Vickers, Kenneth Wayne.  John Rankin: Democrat and Demagogue. M. A. Thesis, Mississippi State University, 1993.