Am 27. September 1947 starteten 6000 armenische Vertriebenen aus Beirut mit dem Dampfschiff “Rossija” in Richtung Sowjetunion. Gestrandet waren sie im Libanon nach dem Genozid, der von den Behörden des Osmanischen Reichs im Jahr 1915 begonnen wurde und nach Zeugenangaben bis 1923 andauerte.
Der Genozid an den Armeniern erfolgte in mehreren Etappen: selektive Deportation aus den Grenzgebieten, Verabschiedung eines Gesetzes über Abschiebung, Massendeportation und Morde. Der Begriff „Genozid“ stammt vom Juristen Raphael Lemkin zur Beschreibung der Massenvernichtung der Armenier im Osmanischen Reich und der Juden auf den von Nazi-Deutschland besetzten Gebieten. Der Genozid an den Armeniern ist nach seiner Erforschung der zweite nach Holocaust Akt in der Geschichte. In einer gemeinsamen Erklärung vom 24. Mai 1915 der Verbündeten (Großbritannien, Frankreich und Russland) wurden Massenmorde an Armeniern erstmals in der Geschichte als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft.
Die Ähnlichkeit zwischen dem Holocaust und dem Genozid an den Armeniern ist schon daran zu erkennen, dass als Rechtfertigung für die Vernichtung der Armenier biologische Gründe galten. Armenier galten als „gefährliche Mikroben“, ihnen wurde ein niedrigerer biologischer Status als Muslimen zugeordnet. Die Methoden zur Vernichtung der Armenier waren grausam – bekannt sind Fakten der Vergiftung von armenischen Kindern und schwangerer Frauen. Jene, die sich weigerten, das Gift einzunehmen, wurden unter massiven Druck gesetzt oder im Meer versenkt. Französische und türkische Zeugen bestätigten Fakten der Vergiftung von Kindern in Krankenhäusern und Schulen. Zudem wurden mobile „Dampfbäder“, wo Kinder mit heißem Dampf getötet wurden, eingesetzt. Hitler rechtfertigte die grausamen Verbrechen gegen die Juden und sagte: „Wer spricht heute noch von der Vernichtung der Armenier?“.
Nur ein kleiner Teil der libanesischen Armenier wollten in die Sowjetunion, ins sowjetische Armenien zurückkehren. Die armenische Diaspora im Libanon zählt heute knapp 150.000 Menschen.
Quelle: Anthony Dirk Moses. Genocide and settler society: Frontier violence and stolen indigenous children in Australian history / edited by A. Dirk Moses — New York: Berghahn Books, 2004