Am 25. September 1946 schockierte der US-Schauspieler Canada Lee das Publikum, als er im Bostoner Shubert Theatre in der Vorführung “The Duchess of Malfi” einen Weißen – Bosola – spielte. Dass sich weiße Schauspieler in der damaligen Zeit schwarz schminkten war durchaus üblich, doch Lee musste weiß geschminkt werden – mit einer medizinischen Salbe, die zur Behandlung von Brandwunden und zum Vertuschen von Narben angewendet wurde. Bostoner Zeitungen berichteten, dass die Darstellung einer weißen Figur durch einen Schwarzen in der Geschichte Amerikas eine neue Ära im Theaterleben kennzeichnen könnte.

Canada Lee (Lionel Cornelius Canegata), der sich zunächst als Jockey und Geiger versucht hatte, hatte zunächst eine beeindruckende Boxer-Karriere hingelegt. Eine Verletzung stoppte seine Sportler-Karriere. Er begann mit der Schauspielerei und verbuchte Erfolg (unter anderem mit Hilfe des legendären Regisseurs Orson Welles). Bereits in den 1930er-Jahren wurde er zum Bürgerrechtler. Lee galt damals als einer der begabtesten US-Schauspieler. Der afroamerikanische Schriftsteller Langston Hughes schrieb für ihn Stücke.

Ende der 1940er-Jahre stieß Lee auf große Probleme – ihm wurden seine antirassistischen Aktivitäten nicht verziehen. Auf dem Höhepunkt der antikommunistischen Hexenjagd wurde er auf die schwarze Liste Hollywoods gesetzt (FBI bot ihm einen Deal an – wenn Lee den Sänger Paul Robeson öffentlich als Kommunist bezeichnet, wird sein Ruf „gereinigt“, doch Lee weigerte sich und wurde de facto mit einem Jobverbot bestraft). Kurz vor einem Termin vor dem “Komitee für unamerikanische Umtriebe” starb er an einem Herzanfall am 9. Mai 1952. Ausländische Zuschauer kennen ihn in einer Rolle in dem Hitchcock-Film „Das Rettungsboot“. Die Zeitung „The New York Times“ kürte ihn zum „eindeutig besten Neger-Schauspieler seiner Zeit sowie einem der besten Schauspieler des Landes“.

Dass sich Weiße für Rollen schwarz schminken (Blackfacing), war Teil der Kultur in vielen Ländern, was in vielen Fällen anschließend als Rassismus eingestuft wurde. Durch die “Black Lives Matter”-Bewegung ändert sich der Umgang mit der Darstellung von Vertretern anderer Rassen radikal. Im 21. Jahrhundert kämpften viele Aktivisten gegen „Blackfacing“ und forderten ein Verbot dagegen.

 

Quelle: Mona Z. Smith. Becoming Something: The Story of Canada Lee. Faber & Faber 2005