Am 16. September 1946 vollendete der italienische Rennfahrer, Unternehmer und Konstrukteur Enzo Ferrari in seinem Betrieb in Maranello den Bau des ersten V12-Motors für einen Rennwagen - ein Meilenstein für den Automobilbau im Nachkriegs-Europa.
Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war der Ferrari-Betrieb in Modena umgebaut worden, damit dort Militärtechnik für das faschistische Regime Benito Mussolinis produziert werden konnte. Nach Beginn der Luftangriffe der Alliierten verlegte Ferrari seine Fabrik nach Maranello. Seine Firma profitierte von den vielen militärischen Aufträgen. Zudem endete ein Knebelvertrag mit Alfa Romeo, laut dem Ferrari keine Fahrzeuge unter seinem eigenen Namen bauen durfte.
Der Rennsport erlebte nach dem Kriegsende eine regelrechte Renaissance – alles begann praktisch wieder bei Null. Enzo beschloss, die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs mit der Vervollkommnung des Triebwerks zu beginnen, und griff dabei auf die bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erprobte Zwölf-Zylinder-Formel zurück. Solche Motoren hatten sich sowohl in Automobilen als auch in Panzern, Schiffen und Flugzeugen bewährt. Ferrari setzte auf den Colombo-Motor (V12), der vom jungen talentierten Entwickler Gioacchino Colombo entworfen worden war. Dank dieser Entscheidung etablierten sich die Ferrari-Konstrukteure als feste Größe bei der Sportwagenproduktion. Zudem bestimmte der Colombo-Motor maßgeblich die weitere Entwicklung der Automobile vor. Seit den 1960er-Jahren wurden Zwölf-Zylinder-Antriebe massenweise in Rennwagen installiert. Seit den 1970er-Jahren wurden legendäre Autos wie Jaguar, BMW, Mercedes-Benz, Aston Martin mit V12-Motoren ausgerüstet.
Quelle: Pritchard, Anthony. Ferrari: Men from Maranello. - Haynes Publishing, 2009