Am 13. September 1946 wurde im Krakauer Gefängnis Montelupich der Kriegsverbrecher und ehemalige Kommandant des KZ-Lagers Płaszów, Amon Göth, hingerichtet.

Göth setzte alles daran, sich Meriten als perfekter Nazi zu verdienen. Seit 1925 war er Mitglied der österreichischen NSDAP, hatte seit dem Alter von 16 Jahren rechtsextreme Ansichten, galt als „alter Kämpfer“, obwohl er zu Kriegsbeginn nur 30 Jahre war. Er ließ sich von seiner ersten Frau scheiden und heiratete eine Freundin, die er bei einem Motorradrennen kennenlernte. Vor der Hochzeit wurde seine Frau darauf getestet, ob sie arisch und physisch zu einer Ehe passt.

Seit 1941 befasste sich Göth mit der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Polens, war aktiver Teilnehmer der Aktion Reinhardt, bei der die KZ-Lager Belzec, Sobibor und Treblinka eingerichtet wurden. Göth war für die Festnahme und den Transport von Gefangenen und Razzien gegen Juden zuständig. Durch das Oberste Nationalgericht Polens in Krakau wurde er wegen Freiheitsentzug, Folterungen und Tötungen Einzelpersonen und Gruppen von Gefangenen sowie persönlicher Beteiligung an den Morden bzw. Folter einer unbekannter Zahl der Menschen schuldig gesprochen.

Laut Gerichtsurteil wurde er erhängt, seine Leiche kremiert, die Asche in die Weichsel geworfen. Dem Henker unterlief während der Vollstreckung des Urteils zweimal ein Fehler. Das Seil erwies sich als zu lang, erst der dritte Versuch war erfolgreich.

Die Ehefrau Göths beging Selbstmord, als sie erfuhr, womit sich ihr Ehemann befasste. Seine Tochter Monika Hertwig schrieb das Buch: „Ich muss doch meinen Vater lieben, oder?“. Die Enkelin Göths, Jennifer Teege, die aus einer Verbindung Hertwigs mit einem nigerianischen Studenten entstammte, erfuhr erst nach vielen Jahren, wer ihr Großvater war. 2013 schrieb sie das Buch „Mein Großvater hätte mich erschossen“.

Schauspieler Ralph Fiennes, der Amon Göth im Spielfilm Schindlers Liste darstellte, erhielt für diese Rolle eine Oscar-Nominierung in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ und wurde bei den BAFTAs ausgezeichnet.

 

Quelle: Kessler, Matthias. Ich muß doch meinen Vater lieben, oder?  Eichborn, 2002.