Am 12. September 1946 hielt US-Handelsminister Henry Wallace auf einer Kundgebung im New Yorker Madison Square Garden eine Rede, die für einen politischen Skandal sorgte. So sagte Wallace: „Wir haben nicht mehr politische Angelegenheiten in Osteuropa als Russland in Lateinamerika, Westeuropa und USA“. Präsident Harry S. Truman wurde dann sofort gefragt, ob diese Rede die Politik der US-Administration entspricht.

Truman hatte den Text der Rede zwei Tage vor der Kundgebung nur kurz gesehen, sagte allerdings auf einer Pressekonferenz, dass die Rede die Politik der US-Administration völlig widerspiegelt. Zugleich musste er sich aber rechtfertigen, dass er nur das Recht des Ministers auf eine solche Rede und nicht ihr Wesen selbst billigte. „The Times“ nannte seine Worte „eine plumpe Lüge“.

Truman trat aktiv für die Einmischung in europäische Angelegenheiten ein, verabschiedete 1947 eine Doktrin, mit der Griechenland und der Türkei Unterstützung zum Schutz vor dem „internationalen Kommunismus“ offen vorgeschlagen wurde.

Truman entließ Wallace, und der von ihm gegründete Progressive Party wurde Beihilfe für den Kommunismus vorgeworfen.

Wallace war eine auffallende Figur in der US-Administration. Er interessierte sich für Mystik. In der Politik galt er als Befürworter der Konvergenz-Theorie und allmählicher Eingliederung der Gesellschaft in eine Ordnung, die die besten Eigenschaften des Kommunismus und Kapitalismus umfasste. Er bezeichnete sich als Nachfolger von Nicholas Roerich und redete ihn in seinen Briefen als „Lieber Guru“ an. Bei politischen Fragen galt er als Anhänger des Roosevelt-Kurses und warb für die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und den USA.

Bei den Wahlen 1948 war er Präsidentschaftskandidat, seine Wahlkampagne scheiterte jedoch.

 

Quelle: John Maze and Graham White, Henry A. Wallace: His Search for a New World Order. University of North Carolina Press. 1995