Am 6. September 1946 hielt US-Außenminister James Byrnes eine Rede zur Deutschland-Politik Washingtons, in der quasi eine Neuausrichtung dieser Politik ankündigt wurde. Die so genannte „Hoffnungsrede“ bestimmte die künftige Strategie der Vereinigten Staaten.
Byrnes setzte den „Morgenthau-Plan“ außer Kraft und versprach eine Politik zum wirtschaftlichen Wiederaufbau. Gleichzeitig kündigte er einen harten Kurs gegenüber der Sowjetunion, indem er die Absicht zu einer fristlosen US-Militärpräsenz in Europa zum Ausdruck brachte. Aber die wichtigste These formulierte Byrnes erst einen Monat später: „Der Sinn unseres Programms besteht darin, das deutsche Volk für uns zu gewinnen… Das war eine Schlacht um die Köpfe zwischen uns und Russland.“
Zur territorialen Integrität Deutschlands sagte der US-Chefdiplomat, Washington würde „nie Angriffe gegen das Territorium unterstützen, das zweifelsohne deutsch ist, oder jedwede Spaltung Deutschlands, die keineswegs gewollt ist. Soweit die Vereinigten Staaten wissen, wollen die Menschen im Ruhr- und Rhein-Gebiet mit dem restlichen Deutschland vereint bleiben. Und die Vereinigten Staaten haben nicht vor, sich gegen ihren Willen zu wenden.“
Außerdem äußerte sich Byrnes zu den Ansprüchen Polens und der Sowjetunion auf das gesamte deutsche Territorium östlich der Oder-Neiße-Linie, das etwa ein Viertel des Vorkriegs-Deutschlands ausmachte: „Die Sowjets und Polen mussten wegen der Invasion der Hitler-Truppen leiden… Deshalb beantragte Polen eine Verschiebung seiner nördlichen und westlichen Grenzen. Die Vereinigten Staaten werden die Verschiebung dieser Grenzen zugunsten Polens befürworten. Aber die Größe des Territoriums, das Polen überlassen werden könnte, sollte festgelegt werden, wenn die endgültige Regelung abgesprochen worden ist.“ Das Ziel dieser Erklärung war nach Auffassung vieler Beobachter sowohl im Westen als auch im „sowjetischen Block“ der Bau einer territorialen „Zeitbombe“ in Europa – allerdings konnte sich damals niemand vorstellen, wie stark sich die Situation in Europa verändern würde und inwieweit wichtiger die Hoffnung auf den Frieden sein wird als Gebietsstreitigkeiten.
Quelle: Clements, Kendrick A., ed., James F. Byrnes and the Origins of the Cold War (1982)