US-Präsident Harry Truman billigte am 3. September 1946 die “Operation Overcast”, mit der deutsche Forscher angeworben und ihre Abwanderung in die Sowjetunion verhindert werden sollte. Doch Wissenschaftler aus Deutschland wurden bereits deutlich früher in die USA gelockt. In dem entsprechenden Erlass Trumans wurde betont, dass Forscher, die NSDAP-Mitglieder waren und aktiv den deutschen Militarismus unterstützt hatten, nicht angeworben werden dürfen.

Gemäß dieser Vorgabe hätte die Mehrheit der angeworbenen Wissenschaftler als ungeeignet eingestuft werden müssen, darunter die Raketenbauer Wernher von Braun, Arthur Rudolph und der Physiker Hubertus Strughold.

Um Trumans Anordnung sowie das Potsdamer und das Jalta-Abkommen zu umgehen, mussten die US-Geheimdienste den Lebenslauf vieler deutscher Wissenschaftler und Spezialisten fälschen und aus den Personalakten Angaben über ihre NSDAP-Mitgliedschaft und Tätigkeit löschen. Viele Wissenschaftler leiteten Experimente an KZ-Gefangenen, die mit Bestrahlung, Sauerstoffdrosselung und anderen unmenschlichen Versuchen verbunden waren. Kurt Blome testete an Gefangenen Impfstoffe gegen die Pest, Walther Schreiber experimentierte mit bakteriologischen Waffen an Gefangenen. Im Zuge der “Overcast”-Operation wurden 1800 Spezialisten und 3700 Familienmitglieder in die USA gebracht.

 

Quelle: Christopher Simpson. Blowback: America’s Recruitment of Nazis and Its Effects on the Cold War (New York: Weidenfeld & Nicolson, 1988)