Am 2. September 1946 wurde aus der neu gewählten Verfassungsgebenden Versammlung Indiens eine Interimsregierung gebildet und vereidigt, die das Land in die Unabhängigkeit führen sollte. Die Leitung der Regierung übernahm der Vorsitzende des indischen Nationalkongresses, Jawaharlal Nehru.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzten die britischen Behörden alle politischen Inhaftierten in Indien auf freien Fuß. Der indische Nationalkongress, der lange für die Unabhängigkeit des Landes gekämpft hatte, willigte in die Teilnahme an den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung zusammen mit der Muslimliga ein. Die britische Regierung von Clement Richard Attlee schickte 1946 nach Indien eine sogenannte “Cabinet-Mission”, um ein Verfahren zur Regierungsbildung auszuarbeiten, die die Aufstellung einer vollwertigen Unabhängigkeit Britisch-Indiens gewährleisten sollte.

Die Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung waren keine Direktwahlen, weil die Mitglieder von jeder gesetzgebenden Versammlung in den Provinzen gewählt wurden. Der indische Nationalkongress bekam rund 69 Prozent der Sitze in Gebieten mit mehrheitlicher Hindu-Bevölkerung. Die Muslimliga gewann die Sitze der muslimischen Wähler.

Die Interimsregierung amtierte bis zum 15. August 1947. Das Land erhielt die Unabhängigkeit, wurde aber in zwei Staaten aufgeteilt – Indien und Pakistan.

 

Quelle: Jawaharlal Nehru. Erinnerungen. Studien. Orientalistik-Institut der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. – M.: Nauka (Chefredaktion der Ost-Literatur), 1989.