Am 27. August 1946 reiste eine sowjetische Delegation zu den Internationalen Filmfestspielen in Venedig. An der Spitze stand der Chef der Verbandes Sowexportfilm, Sergej Budajew; die anderen Delegationsmitglieder waren Michail Tschiaureli, Tatjana Makarowa, Veriko Andschaparidse und andere Vertreter der sowjetischen Filmkunst. In Italien sollten dem internationalen Publikum Streifen wie „Tschapajew“, „Der Schwur“, „Die steinerne Blume“, „Die Unbezwungenen“, „Es lebte einmal ein Mädchen“, „Schuldig ohne Schuld“, „Der erste Mai 1946“, „Zerstörung Japans“ usw. gezeigt werden.

Die Filmfestspiele, die 1932 auf Initiative des faschistischen Diktators Benito Mussolini organisiert worden waren, fanden zum ersten Mal nach dreijähriger Unterbrechung wegen des Zweiten Weltkriegs statt. Der Veranstaltungszeitraum wurde mit den Organisatoren der Filmfestspiele im französischen Cannes abgesprochen, damit sie nicht gleichzeitig stattfinden. Die Preise für den besten italienischen und den besten ausländischen Film wurden vereinigt. Der neue Preis wurde umbenannt und trug nicht mehr den Namen Mussolinis (später wurden zu den wichtigsten Auszeichnungen der Goldene Löwe, der Preis der Großen Jury und die Coppa Volpi). An den Verhandlungen mit den Franzosen waren Graf Zorzi und Ottavio Croze beteiligt, die vergeblich darauf bestanden, dass die Festspiele von Cannes im Frühjahr ausgetragen werden sollten.

Zu einem großen Novum in der Geschichte der Filmfestspiele in der Lagunenstadt wurde die neu eingerichtete Kommission aus akkreditierten Journalisten, die die Wettbewerbsfilme beurteilen sollte. Zu ihren Mitgliedern gehörten unter anderem Francesco Pasinetti, Umberto Barbaro, Gino Visentini, Francesco Callari, Vinicio Marnucci, Nikolai Gorschkow, Pierre Michaut.

Die Filme wurden im Filmtheater San Marco gezeigt, weil der Palazzo del Cinema in Lido von den britischen und amerikanischen Truppen beschlagnahmt worden war.

Als bester Dokumentarfilm wurde der sowjetische Streifen „Im Sand Mittelasiens“ von Alexander Sguridi ausgezeichnet.

 

Quelle: Zeitung „Prawda“ Nr. 204 (10286) vom 28. August 1946