Am 22. August 1946 wurde der ehemalige Premierminister Ungarns, General Döme Sztójay, nach dem Todesurteil des Volksgerichts in Budapest erschossen.
Döme Sztójay wurde in einer serbischen Familie geboren, ging als Jugendlicher in die ungarische Armee und wurde im Ersten Weltkrieg zum Oberst. Er war bei Verteidigungsminister Miklós Horthy in der Abteilung für Spionageabwehr tätig. Nach der Ernennung Horthys zum Reichsverweser wurde er zum Militärattaché befördert, später zum ungarischen Botschafter in Deutschland.
Am 23. Juni 1944 marschierten die Hitler-Truppen in Ungarn ein und zwangen die Regierung zum Rücktritt. Horthy schlug den Deutschen vor, Sztójay zum neuen Premier zu ernennen. Er hoffte dadurch, dass er als Militär sich von den Deutschen nicht so stark beeinflussen lassen wird. Allerdings hörte Sztójay nicht auf Horthy und schlug sich auf die Seite der Deutschen. Er legalisierte die faschistische Partei „Pfeilkreuzler“, schickte neue ungarische Einheiten an die Ostfront, begann mit Zerschlagung der Gewerkschaften und Verfolgung der Opponenten (obwohl die Opposition absolut machtlos war). Sztójay begann mit einer beispiellosen Verfolgung der Juden, von denen viele in „Arbeitsbataillons“ mobilisiert und zu Zwangsarbeiten an die Ostfront geschickt wurden. Vom 15. Mai bis 9. Juli 1944 wurden 427.000 Juden aus Ungarn ins KZ-Lager Auschwitz geschickt.
Im Oktober 1944 wurde die ungarische Regierung gestürzt. Im neuen Kabinett bekam Sztójay kein Amt. Im April 1945 floh er nach Deutschland und ergab sich den Amerikanern. Im Oktober wurde er an Ungarn ausgeliefert, durch das Tribunal verurteilt und erschossen.
Quelle: Thomas Sakmyster: A Hungarian Diplomat in Nazi Berlin: Sztójay Döme. In: Hungarian history — world history, szerkesztette Ránki György. Budapest: Akadémiai Kiadó, 1984.