Am 21. August 1946 wurden die Gebeine des preußischen Königs Friedrich des Großen auf Initiative der US-Militärverwaltung in die Marburger Elisabethkirche umgebettet. Im März 1943 wurde der Sarg des „Alten Fritz“ von Wehrmachtssoldaten wegen Luftangriffen aus der Potsdamer Garnisonskirche in einen Bunker in Wildpark-West und anschließend in ein Bergwerk bei Bernterode im thüringischen Landkreis Eichsfeld umgelagert.
Friedrich II. oder Friedrich der Große (1712-1786), volkstümlich der „Alte Fritz“ genannt, wurde zu einer der historischen Ikonen des Nationalsozialismus. Es wurden sogar mehr Briefmarken mit seinem Konterfei als mit Hitlers herausgegeben. Die Nazi-Propaganda machte Friedrich II. zum Symbol der deutschen Wiedergeburt. Alfred Rosenberg nannte ihn das „nordische Schönheitsideal“ und „Friedrich der Einzige“. Hitler bezeichnete ihn als einen genialen Helden aus Sanssouci.
Die Amerikaner organisierten die Umbettung, damit das Grabmal sich nicht zum Pilgerort für Nazis wird. Allerdings sehen Neonazis den „Alten Fritz“ bis heute als Ikone. Die Überreste des Königs wurden noch zweimal umgebettet, seine letzte Ruhestätte fand er 1991. Laut seinem Vermächtnis wurde er in der Residenz Sanssouci in Potsdam beerdigt. „Quand je serai là, je serai sans souci“ („Sobald ich mich dort erweise, werde ich sorgenfrei“), sagte Friedrich der Große im Jahr 1744. 1991 kamen Neonazis aus ganz Deutschland zur feierlichen Beisetzung des „Alten Fritz“ nach Potsdam.
Am Grab des Königs werden oft Kartoffelknollen platziert. Dieser Ritus geht auf eine witzige Geschichte aus der Vergangenheit zurück. Deutsche Bauern wollten keine Kartoffeln anbauen. Daraufhin ließ der „Alte Fritz“ Kartoffeln in einem speziell überwachten Ort züchten und erklärte sie zum Königsgemüse, das von niemandem außer der Königsfamilie gegessen werden durfte. Dieser Trick ging auf – das Interesse an Kartoffeln wuchs rasant – einige Knollen wurden sogar aus dem königlichen Gemüsegarten gestohlen. So werden bis heute an Friedrichs Grab Kartoffelknollen als Zeichen der Dankbarkeit gelegt.
Quelle: Belski Maxim. Der unbekannte Große König. – Montreal: Accent Graphics Communication, 2013