Am 20. August 1946 wurde das Urteil des Volksgerichts von Bratislava gegen den ehemaligen Premierminister der Slowakei, Kriegsverbrecher, Organisator der Repressalien gegen slowakische Juden, Vojtech (Béla) Tuka, vollstreckt.
Der ethnische Ungar Vojtech (Béla) Tuka wurde in der slowakischen Ortschaft Štiavnické Bane geboren. Er studierte Recht an den Universitäten von Berlin, Budapest und Paris, kehrte anschließend in die Slowakei zurück und lehrte als jüngster Professor des Landes an der Juristischen Akademie in Pécs und Bratislava. Schon in jungen Jahren hatte er rechtsextreme Ansichten. 1923 gründete er den paramilitärischen Ordnungstrupp Rodobrana, dessen Mitglieder schwarze Hemde trugen und ihm persönliche Treue schworen. Er wurde einer der engsten Mitstreiter des Nationalisten Jozef Tiso, nahm Kontakt mit der NSDAP auf. 1929 wurde er von den tschechoslowakischen Behörden zu 15 Jahren Haft verurteilt, aber 1937 von Präsident Edvard Beneš begnadigt und freigelassen. Ein Jahr später wurde er Generalsekretär der Hlinkas Slowakischen Volkspartei. 1938 begann er mit der Bildung von Einheiten der paramilitärischen „Hlinka-Garde“ in der Slowakei.
Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit der Slowakei wurde er zunächst stellvertretender Ministerpräsident und 1939 Ministerpräsident dieses Landes. In dieser Funktion unterzeichnete er einen „Vertrag über Schutzbeziehungen zwischen Deutschland und dem Slowakischen Staat“. Er traf sich persönlich mit Hitler und Joachim von Ribbentrop, gehörte zu den Initiatoren der Verabschiedung des Verfassungsgesetzes Nr.210, das die Regierung dazu verpflichtete, Juden aus dem sozialen und politischen Leben der Slowakei zu verbannen. Er war für die Deportation von mehr als 70.000 slowakischen Juden in KZ-Lager verantwortlich. 1944 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück und wurde durch Jozef Tiso auf dem Posten des Ministerpräsidenten abgelöst.
Im April 1945 floh er aus der Slowakei, wurde aber festgenommen und an die tschechoslowakischen Behörden übergeben. Am 20. August wurde er in einem Gefängnis in Bratislava erhängt.
Quelle: Yahil, Leni (1991). The Holocaust: the fate of European Jewry, 1932–1945. Ina Friedman and Haya Galai, trans. Oxford University Press US.