Am 18. August 1946 kamen bei der Explosion einer Seemine in der istrischen Stadt Pula, die damals von Italien kontrolliert wurde, 70 Menschen ums Leben. Diese blutige Tragödie war allerdings kennzeichnend für die Probleme bei der Räumung von Minen nach dem Kriegsende. Laut verschiedenen Quellen wurden in verschiedenen Regionen, die in den Krieg involviert gewesen waren, bis zu 150 Millionen Minen entdeckt, von denen etwa 80 Millionen nicht explodiert waren und nicht geräumt werden konnten. Darunter waren Artillerie- und Raketengeschosse, Luftbomben, Handgranaten usw. Allein in der Ostsee wurden mehr als 79 000 Minen (unter anderem Boden- und Ankerminen) entdeckt. Im Schwarzen Meer waren es etwa 20 000. Für Räumung der Seeminen waren nicht nur gut ausgebildete Spezialisten, sondern auch entsprechende technische Mittel nötig.

In Großbritannien waren vor allem Luftbomben und nicht detonierte Raketengeschosse von besonderer Gefahr, in Frankreich Minen und Blindgänger, in den Niederlanden kontaktlose Ankerminen. In besonders angespannten Gefechtszeiten wurden Minen willkürlich und systemlos gelegt, ohne dass dies in Unterlagen registriert wurde.

Bei der Minenräumung wurden Kriegsgefangene eingesetzt – trotz der Forderungen des Internationalen Roten Kreuzes und der UNO, die auf der Einhaltung der Genfer Konvention von 1929 bestanden. Dennoch war das übliche Praxis sowohl in Frankreich als auch auf der Insel. Allerdings war diese Vorgehensweise kaum effizient, denn für Minenräumung waren nicht nur Arbeitskräfte, sondern ausgebildete Experten erforderlich. In Normandie wurden mehr als 49 000 Kriegsgefangene und 3000 frühere Kollaborateure zur Minenräumung gezwungen - als Bedingung für ihre Freilassung. Die Briten setzten auch ukrainische Nationalisten ein, denen London versprach, dass sie nicht in die Sowjetunion abgeschoben werden. Bei den Minenräumungen kamen im Durchschnitt acht bis 15 Prozent der Kriegsgefangenen ums Leben. 1949 wurde im Sinne eines neuen Genfer Übereinkommens der Einsatz von Kriegsgefangenen an der Minenräumung verboten, aber bis dahin war diese gefährliche Arbeit größtenteils schon beendet worden.

 

Quelle: Jewgeni Sokolow. „Minensuche nach dem Krieg – unentbehrlicher Teil des Großen Vaterländischen Kriegs“ // Maritimer Almanach 2014, Nr. 5.