Am 17. August 1946 wurde der Direktor des Akademie-Instituts für Physikalische Probleme, Pjotr Kapiza, entlassen und unter Hausarrest gestellt. Die Festnahme hing mit der persönlichen Abneigung zwischen dem Wissenschaftler und dem Chef des sowjetischen Atomprojekts, Generalkommissar für Staatssicherheit Lawrentij Berija, zusammen. Auf Stalins Betreiben wurde die strengen Bedingungen des Arrests für Kapiza gelockert.
Im August 1945 war Kapiza zusammen mit Igor Kurtschatow in den Technischen Rat des Sonderausschusses beim sowjetischen Ministerrrat berufen worden. In diesem Organ waren nur zwei Wissenschaftler vertreten, ihr Vorsitzender war Berija. Stalin verfolgte das Wirken Berijas stets mit Argwohn und sorgte dafür, dass ein Wissenschaftler in der Führungsspitze dieses Gremiums als eine Art Sicherung vor einem möglichen Fehler im Projekt fungiert. Kapiza sprach Mängel offen und geradlinig an, was andere lieber verschwiegen. Als sich der Konflikt zur offenen Feindseligkeit ausdehnte, schlug Stalin Berija einen Kompromiss vor – Kapiza vom Posten des Akademiemitglieds zu entbinden, ihn aber nicht zu verfolgen. Kapiza musste auf der Datscha arbeiten, aus der Berijas sogar die Möbel entfernen ließ. Später wurde ihm immerhin Laborgeräte zur Verfügung gestellt. Die Datscha in Nikolina Gora bei Moskau bezeichnete Kapiza als „Hütte für physikalische Probleme“.
Erst nach der Verhaftung Berijas 1953 konnte der Physiker wieder unter normalen Bedingungen arbeiten. 1978 wurde Kapiza mit einem Nobelpreis für Physik für „grundlegende Erfindungen und Entdeckungen in der Tieftemperaturphysik“ ausgezeichnet.
Quelle: Monologe über Kapiza // Nachrichten der Russischen Akademie der Wissenschaften. - 1994