Am 21. Juli 1946 wurden in Großbritannien auf Beschluss des Ernährungsministeriums Brotkarten eingeführt.

Die britische Wirtschaft hatte sich in den Kriegsjahren voll und ganz an den Bedürfnissen der Streitkräfte orientiert, so dass praktisch alle Lebensmittel und Bedarfsgüter nach striktesten Normen und Karten verkauft wurden. Der minimale monatliche Lebensmittelsatz bestand aus einem Pfund (0,454 Kilogramm) Schinken, zwei Pfund Zucker, 0,5 Pfund Tee, fünf Pfund Fleisch, 0,5 Pfund Käse, acht Pfund Marmelade (oder vier Pfund Obstkonserven bzw. vier Pfund Zucker), 0,5 Pfund Butter, einem Pfund Margarine, 0,5 Pfund Schmalz, 0,75 Pfund Bonbons, vier Eiern (zwölf Eiern für Kinder und Behinderte sowie acht Eiern für stillende Mütter und Vegetarier). Erwachsene bekamen darüber hinaus Pulvermilch, die für 2,25 Liter Milch monatlich reichte, aber Kinder und stillende Mütter bekamen bis zwölf Liter normale Milch pro Monat. Diabetiker durften zusätzlich Butter statt Zucker kaufen.

Das Jahr 1946 wurde auf der Insel durch eine scharfe, Wirtschaftskrise, durch die Einstellung des Lend- und Leaseprogramms seitens der USA sowie durch eine katastrophal geringe Ernte wegen andauernder Platzregen gekennzeichnet.

Angesichts dessen musste die britische Regierung zum ersten Mal in der Geschichte den Brotverkauf einschränken. Der Winter 1946/1947 war sehr frostig: In einigen Regionen sank die Temperatur auf minus 20 Grad, und die Nahrungsmittel in vielen Lebensmittellager einfroren, so dass das Land keine Kartoffelreserven mehr hatte. Es musste der Kohle- und Brennstoffverbrauch streng geregelt werden: Ein Haus bekam eine Tonne.

Die Brotkarten wurden erst 1948 wieder abgeschafft; 1949 wurde der Bekleidungshandel wieder von Beschränkungen befreit, 1950 Benzin, 1953 Zucker und Konditoreiwaren. Am 4. Juli 1954 waren sämtliche Beschränkungen schließlich Geschichte.

 

Quelle: Zweiniger-Bargielowska, Ina (2002), Austerity in Britain: Rationing, Controls and Consumption, 1939–1955, Oxford University Press