Am 10. Juli 1946 kommt es in Ungarn zu einem absoluten Kollaps des Finanzsystems. Die Inflationsrate beläuft sich auf 400 Prozent pro Tag, die Preise verdoppeln sich innerhalb von weniger als 15 Stunden. Ein US-Dollar kostet 59 Mrd. Pengő.

Ungarn gab eine eigene Währung nach dem Zerfall von Österreich-Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg heraus – das war die ungarische Krone. Doch wegen der darniederliegenden Wirtschaft wertete sich die Krone extrem schnell ab. 1927 wurde von der Regierung eine neue Währung eingeführt – Pengő. Die neue Währung wurde an den Goldstandard gekoppelt, sie galt als stabil und überstand selbst die Große Depression. Doch mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Ungarn und dem faktischen Verlust der Souveränität brach die Wirtschaft zusammen. Am 20. August 1945 kostete ein Dollar bereits 1320 Pengö. Die Behörden schauten dieser Entwicklung tatenlos zu. Zum Jahresende kostete ein Dollar schon 128.000 Pengö. Im Umlauf waren Geldscheine mit Nominalwert von zehn Millionen Pengö, Mil Pengö bzw. Billion Pengö. Sogar der weltweit größte Geldschein sollte herausgegeben werden – Sextillion Pengö, was jedoch nicht umgesetzt wurde. Im Land gab es fast kein Papier mehr, um neue Geldscheine zu drucken.

Die ungarische Finanzkrise war die größte Krise in der Geschichte der Weltwirtschaft. Im Juni 1946 beschloss der ungarische Premier Nagy Ferenc in Washington die Rückkehr der ungarischen Goldvorräte zur Festigung der nationalen Wirtschaft. Am 6. August traf aus Frankfurt in Budapest ein Zug mit Gold im Wert von 32 Mio. US-Dollar. Am 1. August 1946 wurde eine neue Währung ins Leben gerufen – der Forint, der bei Einführung zu 400 Oktillionen (4⋅1029:1) Pengö gewechselt wurde. Das ist absoluter Weltrekord.

Trotz der katastrophalen Umstände wurde die Inflation in weniger als einem Jahr gestoppt. Es gab fast nichts mehr, was nicht ruiniert werden konnte – die Wirtschaft brach durch den Krieg zusammen, die Menschen lebten ohnehin weit unter dem Existenzminimum. Die Ursachen für die Inflation lagen in einer absoluten wirtschaftlichen Verantwortungslosigkeit der Elite, die sich einen unwürdigen Machtkampf leisteten, während die Bevölkerung bettelarm war.

 

Quelle: Inflation und Wirtschaftswachstum. Theorie und Praxis. M.: Finanzen und Statistik, 2007